Der etwas andere Jahresrückblick

Wenn es Zeit für Jahresrückblicke wird, klinke ich mich meist aus den sozialen Netzwerken aus. Ich freue mich für das, was andere erreicht haben, aber ich bin auch nur ein Mensch und neige dazu, meinen eigenen Wert nach ihren Maßstäben zu messen. Das möchte ich nicht – es ist mein Leben – und deshalb lasse ich mir mit meiner Rückblende meistens etwas Zeit. Nachdem wir nun einen halben Monat im neuen Jahr stecken, habe ich das letzte Jahr für dich nochmal Revue passieren lassen.

Was habe ich 2019 anders gemacht?

Es war das Jahr des Entschleunigens. Während ich die Jahre zuvor immer 200 % gegeben habe und mehr als einmal über meine eigenen Ressourcen gearbeitet habe, beschloss ich schon im Jahr davor, etwas zurück zu treten. 2019 habe ich das vor allem im mentalen Sinne getan – ich habe mir Zeit für mich genommen, habe meine eigenen Ansprüche reflektiert, mehr auf mein Bauchgefühl gehört und noch tiefer in mich gehorcht, um meine tatsächlichen Ziele für die Folgejahre zu formen. Ich habe in dem Jahr keine Kundenaufträge angenommen, um meinen fotografischen Bildstil weiterzuentwickeln. Ich habe mich auf meine eigene Fortbildung in verschiedene Richtungen konzentriert und viel experimentiert. Es gab Monate, in denen ich die Kamera nicht einmal in die Hand genommen habe – und das war richtig gut so. Ich bin sensibler geworden, schätze die Fotografie wieder mehr und konnte mich auf das Besinnen, was mir in meinen Fotos wirklich wichtig ist.

Was hat mich 2019 fasziniert?

Dadurch, dass ich mich für einige Monate von meiner Kamera getrennt habe, konnte ich herausfinden, wer ich als Fotografin wirklich sein möchte. Und noch viel wichtiger: Wer ich ohne die Kamera überhaupt sein kann. Oftmals verschmelzen wir mit unserer Leidenschaft so sehr, dass wir eins mit ihr werden – und vergessen, dass wir viel mehr sind, als nur eine Berufsbezeichnung. Es hat mich fasziniert, was dort alles in mir schlummert, welche Interessen ich entwickelt habe und wie mir das Leben ganz automatisch viele Zeichen zugespielt hat. Für diese persönliche Entwicklung habe ich sehr oft wilde Pferde besucht, die nicht allzu weit von mir entfernt leben. Manchmal habe ich die Kamera im Auto gelassen, manchmal gar nicht erst eingepackt … und trotzdem bin ich jedes Mal mit vielen Erkenntnissen nach Hause gefahren. Es ist faszinierend, wie Pferde einen spiegeln können, wie sie auf die kleinsten Gefühle reagieren und welche Gedanken sie in uns wecken können.

Was habe ich 2019 Neues gelernt?

Obwohl es das Jahr des Entschleunigens war, war es auch das Jahr der Weiterbildung. Ich habe bereits 2018 gemerkt, wie gut es mir und meiner Kreativität tut, den eigenen Horizont zu erweitern. Ich nahm in London an einer Masterclass für Dokumentationsfotografie teil, der von einer renommierten Fotojournalistin gehalten wurde. Es bringt nichts, sich in gewohnten Bereichen fortzubilden … da dreht man sich nur im Kreis. Deshalb finde ich es wichtig, sich außerhalb der eigenen Komfortzone fortzubilden, damit man einen frischen Wind in die eigene Arbeit bringen kann.
In 2019 habe ich deshalb alles aufgesaugt, was ich finden konnte. Mein Lesepensum hat sich verdoppelt. Ich lese zwei Bücher gleichzeitig – ein Fachbuch und einen Roman, um Hirn und Herz gleichzeitig zu füttern. Je mehr ich gelesen habe, desto mehr passierte in meinem Kopf und ich wollte mehr, mehr, mehr. Durch die Besuche bei den Wildpferden und einigen anderen Begegnungen mit wegweisenden Menschen habe ich beschlossen, einen Weg einzuschlagen, von dem ich schon lange geträumt habe: Ich möchte noch mehr in die Persönlichkeitsentwicklung gehen. Nicht nur persönlich, sondern auch beruflich. Meine Mentorings handelten schon oft davon, wie die eigene Mentalität eng mit der Bildsprache verknüpft ist oder welche Denkmuster uns in der Preisfindung limitieren. Im Herbst war es dann endlich so weit und ich entschied mich für die Fortbildung zum pferdegestützten Coach. Ich lernte Methoden und Strategien, um anderen Menschen persönliches Wachstum zu ermöglichen und könnte dies mit der Spiegelung zum Pferd kombinieren. Das hilft mir nicht nur in Seminaren und Mentorings, sondern tatsächlich auch bei Fotosessions. Durch die Sensibilisierung für die feinen Signale zwischen Pferd und Mensch nehme ich Momente viel intensiver wahr und kann sie klarer deuten. 

Ansonsten habe ich gelernt, dass es nichts bringt, ständig nur nach dem Bauchgefühl zu leben. Es ist ein entspanntes Leben, eins, mit dem du in vollem Einklang mit dir selbst bist – aber das Leben ist einfach kein Ponyhof und manchmal muss man Dinge tun, weil die Logik es verlangt. Ich habe gelernt, dass eine gewisse Balance zwischen Herz und Kopf vorhanden sein muss. In dem einen oder anderen Extrem zu leben bringt niemanden weiter.

Was habe ich 2019 vermisst?

Ich kann ganz ehrlich sagen, dass ich nicht viel vermisst habe. Ich habe das Jahr so gelebt, wie ich es mir gewünscht habe. Dennoch glaube ich daran, dass es gut ist, etwas zu vermissen. Das bedeutet, dass das Herz lebt und es ist eine wunderbare Erfahrung, das erleben zu dürfen. Vermissung hat sich bei mir gegen Ende des Jahres entwickelt. Ich habe meine Kamera vermisst, mein kreatives Ventil, meine Muse, mein Werkzeug um dieser Welt zu zeigen, was ich fühle. Ich habe es vermisst, Menschen damit glücklich machen zu können. Ein Gedanke führte zum anderen. Ich öffnete an dem Tag meine Emails und las eine Nachricht, die ich in den vorigen Monaten oft erhalten habe … aber in dem expliziten Augenblick machte sie etwas mit mir. Es bat mich erneut jemand darum, wieder Fotosessions für private Pferdebesitzer im deutschen Raum aufzunehmen. Wie du vielleicht gesehen hast, bin ich für 2020 diesem Wunsch nachgekommen und freu mich unfassbar darauf.

Was war 2019 mein Lieblingsmoment?

Tatsächlich hatte ich im letzten Jahr viele Lieblingsmomente. Verbunden waren sie meistens mit meinen Reisen – die Fotoreise nach Schottland hat unzählige besondere Momente hervorgebracht …

Meine Fotoreise nach Indien zu den Marwaris ebenso … und es gibt so viele tolle Motive, die ich euch noch gar nicht gezeigt habe. Vorerst gibt’s diese drei Fotos für euch:

Doch so richtig heimisch fühle ich mich im Dschungel bei Zoha auf ihrer Auffangstation “The Backwater Sanctuary” (Vielleicht erinnerst du dich an dieses Interview? Mittlerweile war ich schon 2x bei Zoha in Indien und begleite die Entwicklung ihrer Tiere fotografisch). Es ist aber nicht nur ein Ort für Hoffnung, sondern auch ein Ort der Wildheit. Dort, wo ich zum ersten Mal den schwarzen Panther gesehen habe und indische Elefanten beobachten durfte … dort, wo ich 2019 einen hochschwangeren Leoparden fotografiert habe. Dort ist mein Herz Zuhause. Sicherlich ist die Erfahrung und der aufregende Alltag einen eigenen Blogeintrag wert. Ich könnte Wochen und Monate im Dschungel verbringen, endlose Gespräche mit Zoha führen oder einfach nur stillschweigend die Aussicht über das Backwater genießen und die Harmonie dieses Ortes aufsaugen. Mein Freund ist dieses Mal mitgekommen und hat dieses zweite Zuhause .. noch mehr zu einem Zuhause gemacht. Es schmerzt jedes Mal sehr, das Camp wieder zu verlassen, aber da sind wir wieder beim Punkt des Vermissens: Wie schön, dass wir etwas in unserem Leben so sehr lieben, dass wir es vermissen dürfen.

Berufliche Erfolge dürfen hier natürlich nicht fehlen, auch wenn ich sie in diesem Beitrag eher klein halten möchte. Besonders gefreut habe ich mich über eine neue Referenz mit 2 doppelseitigen Fotos in deutschlands größter Programmzeitschrift “TV Hören & Sehen” und Einbindung meiner Zorse-Fotos im RTL Fernsehen.

Nicht zu vergessen ist natürlich auch, dass wir nach 6 Monaten harter Arbeit meinen ultimativen Guide der Pferdefotografie veröffentlichen konnten und der Launch ein voller Erfolg war. Das hätte ich niemals alleine geschafft – an dieser Stelle auch nochmal ein großes Dankeschön an meine persönliche Assistentin Caro, die mich bei allem so tatkräftig unterstützt.

Was hält 2020 für mich (und dich) bereit?

Nachdem das letzte Jahr sehr ruhig für mich war, bin ich mit Vollgas aus Indien zurück gekehrt. Ich habe so viele Ideen, die ich umsetzen möchte. So viele Projekte, die geplant werden. Ich habe über die letzten Jahre aber vor allem gelernt, dass nur eins im Leben sicher ist: Das nichts sicher ist. Deshalb habe ich zwar einen Plan, was 2020 passieren soll, aber bleibe offen und flexibel für unerwartete Umwege. Dennoch, hier ein paar Punkte, auf die ich mich besonders freue:

  • Nachdem wir nach 4 Jahren Fotoreisen im letzten Jahr ausgesetzt haben, wird 2020 wieder eine Reise nach Menorca stattfinden! (Hier geht’s zur Ausschreibung)
  • Wir haben bereits Daten für die Touren in die Schweiz und nach Österreich festgelegt, die wir bald bekanntgeben werden (zu erst natürlich im Newsletter) … und wer darauf wartet, dass ich in seine Region komme, kann sich natürlich jederzeit melden und wir planen eine eigene Tour!
  • Wir stecken noch mitten in der Planung der Indienreise für dieses Jahr und werden bald mit einem spannenden Programm die Ausschreibung eröffnen
  • Daumen Drücken für ein ganz tolles Projekt in Asien
  • Es geht auch in diesem Jahr wieder für eine abenteuerreiche Reise nach Schottland (Hier geht’s zur Ausschreibung)
  • Seminare mit neuen Schwerpunkten, wie zum Beispiel „Personal Branding“ und „Rewild Yourself: Kreative Fotografie“ und die Rückkehr meiner beliebten Masterclass „Mit Leib & Seele“
  • Weiterbildung! Ich habe bereits eine ganze Liste an Büchern, die ich mir für dieses Jahr vornehmen möchte und werde auch wieder eine Fortbildung besuchen
  • Wie du an diesem Artikel vielleicht gesehen hast, ist der Blog zurück in diese Hauptseite eingezogen … mach dich auf neue Blogeinträge zu vergangenen Reisen, Lieblingssessions und aktuellen Gedanken bereit!
  • Nicht nur die Website hat sich im neuen Jahr verändert, mein Logo hat es auch. Wohin das führt … wirst du in diesem Jahr erfahren oder sehen! 🙂

2020 ist erst wenige Wochen alt, aber ich weiß jetzt schon, dass es ein Kick-Ass-Jahr wird. Ich habe so viel auf Lager, es ist so viel geplant, und ich bin so bereit. Ich wünsche dir für dieses Jahr den Mut, all die Ziele zu verfolgen, die du dir gesetzt hast. Genug Mut, um auf deinen Bauch zu hören, aber deine Kopfstimme nicht ganz auszublenden. Genug Mut, um auch dann weiterzumachen, wenn Herausforderungen auftreten. Genug Mut, um das Jahr so zu gestalten, dass du am 31. Dezember 2020 sagen kannst “Hui, was für ein wildes, wunderschönes, erinnerungswürdiges Jahr dies war”.


Weites Land in Dänemark

Wir saßen unter dem „Sacred Scratching Tree“ und genossen die warmen Sonnenstrahlen, die sich nach dem kalten dänischen Wind wohltuend auf unsere Gesichter legten. Vor wenigen Stunden noch waren wir uns völlig fremd, sprachen nun aber schon miteinander, als würden wir uns seit Jahren kennen. Das zeigte sich nicht nur in den Gesprächen, sondern auch in dem friedvollen Schweigen. Wir schauten den Pferden still aus der Ferne dabei zu, wie sie ihre bekannte Route einschlugen und irgendwann vom hohen, gelben Gras verschluckt wurden. Keiner sprach ein Wort, aber uns allen lag ein Lächeln auf den Lippen. Ab und an lugte eine Ohrenspitze hervor. Ein Windstoß brachte die langen Grashalme dazu, wie samtige Wellen im Meer zu tanzen. Ein Schnauben drang aus der Ferne an unsere Ohren. Wenn es einen Himmel gibt, dann habe ich ihn gefunden, dachte ich.

Ein junger Körper mit einer alten Seele

Seit vielen Monaten folge ich Sophie auf Instagram. Ich habe sie entdeckt, als eine Freundin einen ihrer Beiträge teilte, in dem sie über das natürliche Zusammenleben mit Pferden und artgerechte Haltung sprach. Ich verlor mich sofort in ihren Bildern und Worten. Ich verlor mich in ihrer ganzen Philosophie und konnte mich so sehr mit ihren Gedanken identifizieren.

Sophie wohnt in Dänemark, ist 21 Jahre jung und teilt in ihrem Blog und Instagram ihre Erlebnisse mit ihren beiden Pferde Torrin und Alvaro. Ihre Art, die Welt zu sehen, sich der Gesellschaft entgegen zu stellen und ihrem Herzensruf zu folgen, hat mich von Beginn an fasziniert.

Alvaro und Torrin leben auf 40 Hektar freiem Land. 40 Hektar, das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen. Ihnen fehlt es dort an nichts. Sie haben eine große Grassteppe, Hügel und Wald, einen Tümpel, Buschland, verschiedene Untergründe und für den Notfall auch einen richtigen Unterstand. Den benutzen sie aber ziemlich selten, hat mir Sophie gleich am Anfang erklärt. Eine kleine Eisenbahn (für Touristen der Gegend) fährt ab und zu durch das Gebiet, was die beiden Pferde aber überhaupt nicht stört.

Ich ging nicht zu Sophie, weil ich fotografieren wollte. Das war nicht meine oberste Priorität. Ich wollte sie einfach kennenlernen, sie und ihre Pferde leibhaftig erleben und über ihre Haltungsphilosophie lernen. Ich fühlte mich durch Social Media irgendwie mit ihr verbunden und es schien, als hätten wir eine Menge gemeinsam. Ich versuchte, meine Nord-Deutschland-Tour auszudehnen und Dänemark mit in die Route aufzunehmen. Als Sophie diesem Treffen zustimmte, hüpfte mein Herz wie an Weihnachten.

An den Tagen vor unserer Begegnung und besonders auf der Hinfahrt zwang ich mich, meine Erwartungen runter zu schrauben. Als Fotograf ist das oftmals sehr schwierig – man will ja eigentlich immer und überall die Kamera dabei haben und bloß keine spektakuläre Lichtsituation verpassen. Aber ich wollte mein Alter-Ego einmal zur Seite schieben und einfach Mensch sein. Fan-Girl durch und durch.

Wir entschlossen uns dazu, den ersten Abend rein zum Kennenlernen zu nutzen. So konnte sie mir in Ruhe ihre beiden Jungs vorstellen, das Gelände zeigen und wir könnten einfach ein bisschen miteinander quatschen. Schauen, ob die Chemie stimmt. Die Kamera hatte ich trotzdem dabei, denn man weiß ja schließlich nie, was passiert. Wie sich herausstellte, war das auch eine sehr gute Idee.

Als wir zu Beginn den Hügel hinauf liefen und die Pferde das erste Mal in unser Sichtfeld traten, konnte ich es gar nicht glauben. Die Fotos und Videos, die ich ständig auf Social Media betrachtete, waren nun plötzlich Realität und direkt vor mir. Und wie so oft war die Realität viel schöner als die virtuelle Welt.

Sophie stellte mir Torrin und Alvaro vor und erzählte mir ein bisschen von ihrer Geschichte. Wie sie zu beiden kam, welche Erlebnisse sie miteinander verband, und was sie für einen Charakter haben. Beide sind sehr unterschiedlich, und haben doch viele Gemeinsamkeiten. Torrin ist ein Highland Pony und sehr genügsam. Er erinnerte mich an die Ponies, die Malin und ich in Schottland trafen. Er hatte denselben Blick wie sie und eine wilde und raue Aura schwebte um ihn. Sein Gegenstück ist Alvaro. Der PRE Wallach ist sehr aufgeweckt, neugierig, und möchte immer mitten drin sein. Man sieht bei den beiden gewisse Parallelen zu einem alten Ehepaar.. Auch in dem, wie sie miteinander umgingen. Ein inniges Gespann, was sich vertraut, sich gegenseitig hilft und liebt, aber auch manchmal aneckt. So, wie es eben auch sein sollte – Ying und Yang.
Sophie war die perfekte Balance zwischen ihren beiden Pferden. Sie hatte das aufgeweckte und neugierige von Alvaro, aber strahlte dieselbe Ruhe aus wie Torrin.

Wir beendeten den großen Rundgang unter dem „Sacred Scratching Tree“, ein Baum auf einem Hügel, der sich aufgrund seines Wachstums perfekt zum Kratzen für die Pferde eignete. Dort saßen wir eine halbe Ewigkeit, sprachen über alles und nichts. Über die Gesellschaft und ihren sozialen Druck, über unsere eigenen Wege, Erlebnisse und Erkenntnisse .. und manchmal sprachen wir auch gar nicht. Dann genossen wir einfach die Aussicht auf die Pferde, beobachteten sie dabei, wie sie ungestört von Mensch und Zäunen durch die weite Graslandschaft wanderten. Zufrieden. Im Einklang mit der Welt.

Gegen Abend entschlossen wir uns dazu, zu ihnen zu gehen. Und als wäre all das ein Zeichen gewesen, entwickelte sich der Himmel plötzlich zu einem phänomenalen Farbenspiel. Von dunkelblau bis hin zu gleißenden Feuerfarben war alles dabei und ließ mein Fotografenherz höher schlagen. Wir fotografierten die Pferde gänzlich ohne Zwang und Erwartungen. Generell achte ich darauf, Pferden bei Fotosessions niemals meinen Willen aufzuzwingen. Wenn ich sehe, dass ein Pferd keine Lust hat zu rennen, dann muss es das auch nicht tun. Deshalb siehst du bei all den Fotos nur ein einziges in einer anderen Gangart als Schritt – aber das macht die Fotos nicht weniger wertvoll. Es ist wichtig, mit den Pferden in einer Einheit zu arbeiten. Man fotografiert ja schließlich nicht nur die oberflächlichen Erscheinungen, sondern vor allem die Gefühle, die in der Luft liegen und versucht die Einzigartigkeit des Charakters in ein Lichtbild zu projizieren. Gefühle brauchen Raum und müssen schwingen können. Als ich davon abließ, die Pferde in ein vorgedachtes Motiv, in eine gewisse Vorstellung zu pressen, fügte sich plötzlich eins zum anderen. Plötzlich machte Alvaro perfekt mit, hatte Spaß daran, mit Sophie ein paar Motive zu inszenieren oder schenkte mir ganz von sich aus einige innige Momente.
Ich kann das Gefühl kaum beschreiben, das Pferde mir geben, wenn es scheint als würden wir uns in einer Art Kommunikation befinden. Manchmal spreche ich meine Wünsche und Hoffnungen für ein Motiv in Gedanken aus … und Pferde reagieren darauf. Wie durch Zauberhand. Nenn es Zufall, nenn es Glück – ich nenne es Magie. Ich bin fest überzeugt, dass es zwischen Erde und Himmel mehr gibt, als wir sehen oder anfassen können. Wo genau diese Kommunikation sich platzieren und erklären lässt, weiß ich nicht. Aber der nächste Morgen sollte mich in dieser Annahme, dass es eine unsichtbare Kraft zwischen Mensch und Pferd gibt, nochmal bestärken.

Sehen und Fühlen

Ein weiterer großer Punkt, warum ich Sophie kennenlernen wollte war die heilende Energiearbeit, die sie mit ihren Pferden betreibt. Ich selbst beschäftige mich seit einiger Zeit mit der energetischen Heilarbeit und bin unheimlich neugierig, was dieses Thema betrifft. Natürlich kann man solche Momente nicht erzwingen und ich rechnete nicht damit, dass ich überhaupt die Chance habe, es live zu sehen, aber tatsächlich bekam ich genau dazu die Chance.

Sophie erzählte mir, wie Pferde ihr zeigen, wo sie behandelt werden möchten. Aber was genau kann man mit Energie heilen, bzw. für was sind solche Einheiten geeignet? Ein klassisches Beispiel wären Verspannungen, Blockaden, Juckreize, Schwellungen, Entzündungen und allerhand andere Weh-Wehchen, bei denen viel zu oft ein chemisches Mittel zur Bekämpfung eingesetzt wird.

Wenn Torrin oder Alvaro eine Stelle haben, die sich Sophie näher annehmen sollte, kommen sie zu ihr und zeigen ihr, wo sie ihre Hände auflegen und ihre Energien fließen lassen soll. Wenn man es so erzählt, klingt das recht wage und unglaubwürdig. Selbst für mich, die an solche Kräfte glaubt, ist es immer schwierig gewesen, so etwas zu visualisieren. Bis ich es endlich gesehen habe.

Am Morgen nach unserem ersten Treffen sind wir abermals zu den Pferden gegangen. Sie standen diesmal am Eingangstor, es war kurz vor Mittag, und beide grasten gemütlich. Alvaro war wieder sehr neugierig, beschäftigte sich mit uns, war aufgeweckt und wollte unterhalten werden. Torrin hielt sich wie am Vortag im Hintergrund auf, genoss die Ruhe, fraß gemütlich und begrüßte uns nur kurz. Als wir alle zur Ruhe kamen – wir saßen auf einem abgestellten Bauern-Anhänger und Alvaro widmete sich auch wieder dem Grasen – entschloss sich Torrin plötzlich dazu, zu Sophie zu gehen.

Es dauerte ein paar Minuten, in denen er immer wieder neben ihr stand, einen Schritt vor und zurück machte, sich wiegte und sie ihre Hände an verschiedenen Körperstellen auflegte. Sie beobachte ihn und seine Reaktion ganz genau, und so arbeitete sie sich Stück für Stück zu der Stelle vor, wo er sie haben wollte. Schließlich landeten ihre Hände an seinem Genick und verweilten dort. Plötzlich interessierte sich Torrin nicht mehr für all die Fliegen, die um seine Nase schwirrten, ließ sich nicht von Spaziergängern ablenken, sondern schien vollends in sich vertieft. Als Zuschauer hatte man plötzlich Angst, ein lautes Geräusch zu machen, man hätte eine Feder zu Boden fallen hören können. Seine Unterlippe fing an immer tiefer zu hängen, er schloß die Augen leicht … und plötzlich, in absoluter Symbiose, atmeten Sophie und Torrin gleichzeitig ganz lang aus – als wären sie ein und derselbe Körper. Die Wirkung dieses Moments war so groß, dass selbst ich einen langen, entspannten Atemzug ausstieß. Die Behandlung dauerte noch ein paar weitere Minuten an, in denen für den augenscheinlichen Betrachter nicht mehr geschah, als das ein Mädchen ihre Hände auf den Hals eines Pferde auflegte.
Dann, als hätte jemand einen Schalter umgelegt, entschloss Torrin, dass es genug war. Er machte einen Schritt zurück, Sophie wich von ihm. Er gähnte mehrfach. Ohne großartig nach einer passenden Stelle zu suchen, legte er sich ab. Einfach so. Er knickte die Beine, rollte sich zur Seite, zutiefst entspannt und losgelöst. Wow.
Sophie setzte sich neben ihn, rückte näher, und legte ihre Hände abermals auf, diesmal an der äußeren Schulter. Auch dort verweilte sie, während Torrin ihre Behandlung genoss und in sich aufsaugte. Nach ein paar weiteren Minuten setzte sich Sophie wieder in Abstand hin und genoss die Zweisamkeit. Mittlerweile hatte ich die Kamera in der Hand und fühlte mich bereit dazu, Fotos zu machen. Vorher hatte ich Angst, diesen Moment zu stören und wollte mit dem Klicken nicht dazwischen funken. Obwohl ich in einigen Metern Abstand saß, schaltete ich meine Kamera auf den Silent-Modus, damit der Auslöser so leise wie möglich war. Für mich war er immer noch zu laut – plötzlich fühlte sich alles so viel intensiver an.

Während ich diese Zeilen schreibe, habe ich schon wieder Gänsehaut. Besonders der Moment, in dem beide synchron ausatmeten, schien so intim und voller Magie, wie ich es selten zuvor erlebt habe.

Ich würde mich als einen spirituell interessierten Menschen bezeichnen. Ich glaube an vieles und interessiere mich für sehr verschiedene Dinge – ich glaube an den Mond und die Sterne, ich glaube an eine höhere Kraft, egal ob man sie Gott, Universum, Schicksal oder sonst wie nennen möchte. Ich glaube daran, dass es mehr gibt, als wir sehen und anfassen können und ich glaube daran, dass alles, was wir tun, einem höheren Zweck in dieser Welt dient. Auch dann, wenn wir ihn vielleicht noch nicht sehen können. Und bis zu dieser Begegnung dachte ich auch, ich würde an Energie und ihre Heilkräfte glauben. Aber ich kam zu der Erkenntnis, dass man es nicht richtig glauben kann, nicht aufrichtig und wissentlich begreifen kann, wenn man es nicht selbst erlebt hat.
Ich dachte ich wüsste, was Energiearbeit in uns bewirken kann. Ich dachte ich wüsste, wie sie funktioniert, was sie auslöst, und was sie verändert. Aber Tatsache ist: Ich wusste es bis dahin nicht. Die Praxis ist so viel mehr, als die Theorie beschreibt. Es war genau so, wie ich es mir ausgemalt habe, und doch ganz anders. Es war, als würde mein Körper zu mir sprechen und sagen „Schau, was in uns steckt. Sieh es dir an, was wir bewirken können. Du bist Energie. Wir alle sind Energie. Wir alle sind eins. Komm nach Hause.“

Nach Hause kommen

Komm nach Hause. Ein Satz, der während meines Treffens mit Sophie sehr oft in meinem Kopf schwebte, als würde meine innere Stimme immer lauter werden. Ich gab dieser Stimme nach und beschloss, dieses wunderbare Erlebnis in meinem Herzen zu tragen. Und noch viel mehr: Ich würde von nun an wieder viel mehr meinen eigenen Impulsen vertrauen. Meiner Intuition. Denn schließlich ist das auch nichts anderes, als pure, zielgerichtete Energie.

Und so war mein nächster Impuls, meine Reise zu verlängern. Anstatt den Weg nach Hause anzutreten, machte ich das, was mein Bauch mir sagte. Ich nahm mein Handy in die Hand, öffnete Malins Chat und fragte sie, ob sie am nächsten Tag irgendwas vor hätte. Spontan, verrückt, ja, ziemlich verrückt. Denn von dort wo ich war, trennten mich noch 4 weitere Stunden Fahrt zu ihr nach Schweden. Aber es fühlte sich plötzlich nicht nach sehr viel an. Diese weite Fahrt waren es mir wert, sie in Öland zu besuchen. Mein Impuls war richtig. Die Zeit in Schweden sollte eine Verlängerung für meine innere Stimme sein. Ein Verstärker und vielleicht auch ein Wegweiser. Aber das ist eine Geschichte für einen anderen Artikel.

Sophie – eine unglaublich feinfühlige und offene Person. Es ist mir immer noch schleierhaft, wie ein so junges Mädchen so eine tiefe Weisheit über den Umgang mit der Welt hat. Ihre Gedanken, ihre Ansichten, ihre ganze Philosophie zeugt von einem tiefen Verständnis für die Gesamtheit  und die Wichtigkeit der Natur. Ihr Umgang mit Pferden ist intuitiv, gefühlsgelenkt, aber nicht zu emotional. Sie ist aufmerksam, ruhig, und respektiert die Natur des Pferdes wie kaum jemand anderes.
Sie ist kein typisches Pferdemädchen, das auf die Wiese geht, sich ihren Lieblingen um den Hals wirft und mit ihnen spielt. Vielmehr beruht ihre Beziehung auf einer Wahrheit, auf einen respektvollen und gleichsam sehr herzlichen Umgang. Man kann eben doch beides sein. Pferdemädchen und Analystin. Heilende und Suchende. Man kann loslassen und trotzdem etwas dazu gewinnen. Genau so, wie es Sophie mit Alvaro und Torrin gemacht hat. Sie hat ihnen die Freiheit gegeben, und das hat sie nur noch näher zueinander geführt.


Im Bann der Highlands (I.)

Ich lag unter meinem Dachfenster im Bett, kuschelte mich in die warme Decke ein, drückte die heiße Tasse Tee näher an mich und schaltete Netflix ein. Sonntag im November – ein Tag zum Faulenzen, ein Tag zum Träumen … und der Tag, an dem die Reise begann.
Bereits seit einigen Wochen habe ich eine Serie immer wieder neu gestartet, durchgesehen, neu gestartet, durchgesehen … Es war Outlander. Die optimale bing-worthy TV-Show. Die Story fesselte mich, keine Frage. Aber viel mehr noch waren es die Landschaften und das Feeling der Freiheit, das durch die Serie transportiert wurde. Diese herrliche raue Gegend, der Regen, die Winde, die Unbeugsamkeit, die Weite, die Möglichkeiten … Und das war der Moment. An diesem Sonntag in meinem Bett im November, als ich zu meinem Dachfenster hochblickte, auf dem die Regentropfen laut trommelten, beschloss ich: Ich will dahin. So schnell wie möglich. Auch, wenn es Winter ist.

Ich fand außerdem, dass es die perfekte Möglichkeit für eine kleine Auszeit ist. Ich alleine, irgendwo in den schottischen Highlands. Ja, das konnte ich mir gut vorstellen. Das Jahr war turbulent, geschäftlich anstrengend und emotional verworren, meine Gedanken immer noch am kreisen. Da kommt Schottland doch wie gerufen. Irgendwie kam dann doch alles anders, denn Malin Wengdahl aus Schweden (von der auch das Titelbild stammt) schrieb mich an, als sie von dieser Idee hörte, und irgendwie … passte es. Wir hatten bei unserem Treffen im Mai (2017) eh schon überlegt, mal gemeinsam loszuziehen. Und so beschlossen wir, diese Auszeit für uns beide zu nutzen. Sie kam für jeden von uns zur richtigen Zeit.Ich fand außerdem, dass es die perfekte Möglichkeit für eine kleine Auszeit ist. Ich alleine, irgendwo in den schottischen Highlands. Ja, das konnte ich mir gut vorstellen. Das Jahr war turbulent, geschäftlich anstrengend und emotional verworren, meine Gedanken immer noch am kreisen. Da kommt Schottland doch wie gerufen. Irgendwie kam dann doch alles anders, denn Malin Wengdahl aus Schweden (von der auch das Titelbild stammt) schrieb mich an, als sie von dieser Idee hörte, und irgendwie … passte es. Wir hatten bei unserem Treffen im Mai (2017) eh schon überlegt, mal gemeinsam loszuziehen. Und so beschlossen wir, diese Auszeit für uns beide zu nutzen. Sie kam für jeden von uns zur richtigen Zeit.

Ich bin kein großer Planer. Besonders dann nicht, wenn es nicht viel zu verlieren gibt. Wir haben vorher 2x geskypt und überlegt, wie viel Geld wir wohl bräuchten, was jeder von uns unbedingt sehen möchte und wie die Route ungefähr aussehen würde. Das war’s. Das einzige, was wir neben den Flügen im Voraus buchten, war das schottische Cottage auf der Isle of Skye, wo wir einige mehr Tage verbringen wollten. Alles andere blieb offen. Pferde wollten wir eigentlich nicht unbedingt suchen. Aber tatsächlich haben sie dann eher uns gefunden … aber dazu später mehr.

Let’s start in Edinburgh

05. Januar. Mein Flug landete zu erst, und so wartete ich ca. 1 Stunde auf Malin, die aus Schweden angereist kam. In dieser Zeit schoss mir natürlich einiges durch den Kopf. Würde das so klappen? Finden wir auch wirklich immer eine Unterkunft? Was, wenn das Wetter furchtbar wird? Die Zweifel, die auch meine Eltern wegen des Wetters geäußert hatten, wurden immer heftiger. Was, wenn Blitzeis-Gefahr ist oder wir eingeschneit werden? Was, wenn es nur regnet und man kaum etwas unternehmen kann? Aber auch hier wurde ich später eines Besseren gelehrt und es zeigte sich wieder, dass diese sorgenvolle Stunde eigentlich umsonst war.

Gemeinsam mit Malin suchten wir unseren Car-Rent-Service im Airport auf und machten uns dann direkt auf dem Weg in die Stadt. Im Linksverkehr. Für mich kein großes Thema, das kannte ich schließlich schon aus Namibia … allerdings waren die Straßen da größer (und staubiger) … und weniger befahren. Aber auch den Weg in die Stadt meisterten wir, während Malin auf dem Beifahrersitz ein Bed & Breakfast raussuchte. Schon vorher wurde mir von vielen Leuten empfohlen, spontan nach Unterkünften zu suchen. Im Winter ist das kein Problem und so würden wir sehr flexibel sein.

Unser B&B war relativ nah an der Innenstadt und so beschlossen wir uns abends zu Fuß auf den Weg zu machen, um die Stadt zu erkunden. Das Wetter zeigte sich von seiner schottischen Seite und war genau so, wie ich es erwartet (und befürchtet) hatte: kalt, verregnet, windig. Aber entgegen meiner Erwartungshaltung war das gar nicht so schlimm. Es war wunderschön. Das Wetter schmeichelte der Architektur und all den übergebliebenen Weihnachtsbeleuchtungen, es legte eine gemütliche Atmosphäre auf die Stadt und so fühlte man sich auch eher dazu verleitet, Gebäude zu betreten und zu erkunden. Ich kaufte eine heiße Schokolade an der Edinburgh Castle, wir staunten über die Schönheit der St. Giles Cathedral, durchliefen verwunschene kleine Gassen und stiegen den matschigen Weg hinauf zum Dugald Stewart Monument, wo wir einen Blick über die gesamte Stadt bei Nacht hatten. Wir holten uns einen Snack im Elephant House Café, saßen neben dem Tisch, wo J. K. Rowling einige Seiten ihrer ersten Harry Potter Bücher schrieb und ich betrat dort wohl das coolste WC der Welt – die Wände vollgeschrieben mit Nachrichten von Potterheads.

Am nächsten Tag fing unsere Reise richtig an – es ging in Richtung Norden. Da Outlander uns beide zu dieser Reise inspiriert hat und wir ziemliche Fans sind, wollten wir natürlich einige Film- und Drehorte besuchen. So stand Falkland als erster Stopp an (Falkland stellt in der Outlander Serie Inverness nach dem 2. Weltkrieg da). Plötzlich war das Wetter voll auf unserer Seite. Blauer Himmel und gleißender Sonnenschein machten die Temperaturen um den Nullpunkt zum perfekten Roadtripwetter. Auf dem Weg in den Cairngorms National Park stießen wir auf den ersten Schnee, der links und rechts von der Straße lag und sahen einige Schneewolken am Horizont .. aber immer noch – blauer Himmel über uns. Wir beschlossen in Aviemore zu halten um zu übernachten. Wir fanden ein tolles B&B, das genau so war, wie ich es mir vorgestellt hatte. Ein Aufenthaltsraum mit Kamin, vor dem wir den ganzen Abend saßen, dem Knistern zusahen, in unsere Bücher vertieft … die Zeit flog, fast surreal. Erstaunlicherweise hat fast jedes B&B eine vegane Option zum Frühstück, ist das zu glauben? Die McCartneys haben Lindas Philosophie geehrt und eine tolle vegane Fleischalternativ-Marke erschaffen, die dort wohl ziemlich angesagt ist. So konnten wir eigentlich alles essen, was jeder andere normale Schotte auch zum Frühstück isst … nur eben in vegan oder vegetarisch.

Auf in den Norden

Unser Weg führte uns nun noch weiter nördlich, zu dem Ort, auf den ich mich mit am meisten freute: Inverness und das Battlefield of Culloden. Wir besichtigten das Culloden Museum, das vielseitig und detailliert den ganzen Lauf des historischen Ereignisses darstellte. Anschließend betraten wir das Battlefield mit diesem gehemmten und ehrfürchtigen Gefühl in uns, dass das Museum hinterlassen hat. Empfangen wurden wir immer noch von Sonnenschein, aber da wir noch weiter im Norden waren, hatten wir mittlerweile Minustemperaturen, die sich anfühlten wie -20°C (was natürlich nur -5°C war).
Aber diese Kälte war nichts im Vergleich zu der Gänsehaut, die mir dieser Ort gab. Mit dem Wissen, wie viele Clans hier zerstört wurden, wie viele Menschen ihr Leben für eine Überzeugung ließen und auf welche brutale Weise sie starben, konnte man nicht anders als diese schwere Energie in sich zu spüren. Als würden immer noch Geister unzähliger Schotten und englischer Soldaten über diese endlosen Grasflächen des Moores gleiten. Was mich besonders rührte, waren die frischen Blumen, die an vielen Clan-Steinen lagen. Natürlich besonders viele am Clan-Fraser-Stein, aber auch an denen, die in der Serie keine Rolle spielten. Es war wundervoll zu sehen, dass es noch so vielen Jahrhunderten (Das Battle of Culloden fand 1746 statt) immer noch Menschen gab, die so ihrer Liebe für vergangene Angehörige Ausdruck verliehen oder ihren Respekt gegenüber den gefallenen Menschen zollten. Aber diese drückende, wenn auch faszinierende Stimmung, die konstant über dem Moor hing, werde ich niemals vergessen.

Wir besuchten anschließend einen Steinplatz, denn Craigh na Dun (Outlander) war ein fiktionaler Ort, aber dennoch wollten wir einen Steinkreis sehen oder zumindest etwas, was dem am nächsten kam. So landeten wir beim Balnuaran of Clava. Dort gab es eine zeremonielle Grabstädte, das “House of the Dead”, einige Steinplatten in verschiedensten Größen .. und auch wieder diese unbeschreibliche Energie, als könnte man sie anfassen, festhalten und mitnehmen.

Am Mittag entschieden wir uns dann, ein Stück weiter rauszufahren, um wirklich jede Minute zu nutzen, die wir haben. So fuhren wir von Inverness zu Loch Ness und zur dazugehörigen Burgruine Drumnadrochit. Was nach einer weiten Strecke klingt, ist in Wirklichkeit nur eine 30-minütige Autofahrt … Plus die vielen Stopps, die wir an verschiedenen Aussichtspunkten von Loch Ness gemacht haben. Und damit wir das hier mal gleich aus der Welt schaffen: Ich habe Nessie gesehen und habe Handynummern mit ihr ausgetauscht.

Was wir vorher schon immer wieder festgestellt haben, bestätigte sich an der Burg von Loch Ness abermals: Es war eine gute Idee, im Winter zu kommen. Wenige Touristen; Zeit, alles in Ruhe zu erkunden, die Preise sind meistens günstiger und es fühlt sich realer an, nicht so kommerzialisiert. Man kann mal für sich sein, die Gedanken schweifen lassen.
Am Abend fuhren wir zurück nach Inverness und machten einen Umweg an der Küste entlang Richtung Nordosten, um den Sonnenuntergang am Leuchtturm und Checkpoint Chanonry zu sehen – wir kamen auf die Minute genau rechtzeitig an.
Auf dem Rückweg schaute ich beim Fahren immer wieder links und rechts in die kleinen Gassen, die von der Hauptstraße abgingen und entdeckte so eine alte Kirchen-Ruine, die von innen beleuchtet war. Im Kontrast zum dunklen Blau der Nacht sah es wahnsinnig mystisch aus und wir verbrachten auch dort ein bisschen Zeit – so lange, wie wir die Kälte aushielten. Die bohrte sich durch die Trockenheit der Luft nämlich mit jedem Atemzug tiefer in die Lunge. Dieser kleine Abzweig ist allerdings ein gutes Beispiel dafür, die Augen immer offen zu halten … Sonst hätten wir diesen hübschen Ort nämlich sicher nicht entdeckt.

Am nächsten Morgen begrüßte uns … immer noch die Sonne. Es war einfach nicht zu glauben, was wir für ein enormes Wetterglück hatten. Wir beschlossen, Inverness zu Fuß zu erkunden, haben uns Gebäude, Geschäfte und Kirchen angesehen und am Mittag aufgemacht, um die andere Seite der Highlands anzufahren. Wir mussten also quer von Osten nach Westen über das Land fahren, was ohne Pausen aber nur 3 Stunden dauern würde. Um möglichst viel von der Landschaft zu sehen, beschlossen wir, unsere Route weiter nach Norden zu erweitern und waren somit ca. 5 Stunden unterwegs … mit abermals zahllosen Pausen für Fotos und ehrfürchtige Ausblickmomente. Manchmal wussten wir gar nicht, wo wir waren … aber jedes Mal war es unbeschreiblich.

Unser großes Zwischenziel: Isle of Skye

DAS Landschaftswunder, wie alle sagten. Nach den Bildern, die ich auf Google gefunden habe, konnte ich mir kaum vorstellen, dass es so einen verwunschenen Ort tatsächlich geben sollte. Und das ich gerade auf dem Weg dahin war. War dies vor wenigen Wochen nicht noch nur eine Idee gewesen?
Ich war gespannt, aufgeregt wie ein kleines Kind, und als die Brücke, die das Land mit der kleinen Insel verband, auftauchte, pochte mein Herz tatsächlich etwas lauter. Und dann waren wir dort. Isle of Skye.
Erst sah alles aus wie immer. Nichts besonderes. Ein paar Kleinstädte, eine Hauptstraße an der Küste … aber nach ein paar Minuten fing die Landschaft an, sich zu wandeln. Die Sonne sank schnell und so erlebten wir die Autofahrt zu unserem Cottage zur schönsten Tageszeit. Blöd nur, dass unser Navi unser Ziel … mitten auf den Ozean gesetzt hat. Irgendwas war bei der Programmierung falsch gelaufen (uns trifft GANZ sicher keine Schuld, ja ja), und so steuerten wir auf die falsche Seite der Insel zu, um angeblich eine Fähre zu nehmen, die uns 10km mitten im Meer absetzen sollte. Die Sonne verschwand langsam, und laut Navi sollten wir nochmal über 1 Stunde brauchen, weil es uns den halben Weg zurück schickte. Aber hey, nicht mit uns Mädels. Wir suchten uns eine lokale, kleine Straße raus, die uns direkt durch das Gebirge geradewegs zu unserem Cottage lenken sollte – 20 holprige Minuten. Es stellte sich heraus, dass es das Quiraing Gebirge war, und als wir dort waren, färbte sich der wolkenlose Himmel pink und türkis. Uns verschlug es den Atem.

… Wie du siehst, wird dieser Beitrag ziemlich lang. Ich habe erst ein Drittel unserer Reise beschrieben und die aufregendsten Themen folgen noch – die märchenhafte und unglaublich vielseitige Landschaft von Skye, das besteigen von richtigen und mentalen Bergen, meine gedankenreiche Zeit im Cottage mit Blick auf die Küste, die anschließende Fahrt zu Harry Potter Drehorten, die Geisterpferde die wir trafen, die Hirsche die uns aus der Hand fraßen, und so viel mehr …

Ich möchte den schottischen Highlands nicht ihren Zauber nehmen, indem ich jetzt anfange, alles halbherzig runter zu rasseln. Die Highlands müssen atmen, wirken, leben … selbst in geschriebener Form. Deshalb werde ich hiermit den ersten Teil meines Reiseberichts beenden und sehe dich im nächsten wieder, der schon bald folgt!


Sommeranfang in der Schweiz

Im letzten Herbst haben mir die Schweizer gezeigt, dass das Vorurteil unterkühlt und distanziert zu sein, absolut nicht auf sie zutrifft. Ganz im Gegenteil! So konnte ich es in diesem Sommer kaum erwarten, wieder in das schöne, kleine Land zu fahren. Somit verbrachte ich vom 30.5. – 04.06. ein wunderbares verlängertes Wochenende damit, einige tolle Menschen und ihre Pferde kennenzulernen. Diesmal haben wir dran gedacht, ein bisschen dabei zu filmen. Und somit kann ich euch nun in 6 Minuten zeigen, wie so eine Fototour für mich aussieht: Viel Fotografieren, viele Mentorings, aber auch viel Lachen und vor allem – viele Pferde ♥️. Dieses Mal wollte ich neben meinen Locations aber noch mehr von der Schweiz sehen und nehme euch im Video auch mit zu den kleinen Ausflügen, die wir in der kurzen Zeit unterbringen konnten.

Momentan prüfen wir noch, ob eine weitere Tour in die Schweiz im Herbst in meinem Terminkalender möglich ist. Wenn du also pauschal Interesse an einem Mentoring oder einer Fotosession (nur noch dieses Jahr für Privatkunden!) hättest, kannst du dir unverbindlich Infos per Kontaktformular einholen.


Wieso ich wähle mit einem leeren Herzen ins neue Jahr zu starten

Das letzte Jahr war geprägt von Paradoxa. Die Höhen so hoch, dass einem schwindelig wurde, und die Tiefen so tief, dass man dachte, der Fall endet nie. Der Aufstieg ein Kampf, begleitet von vielen herzerwärmenden Momenten. 2017 war mein Jahr des Reichtums – es war reich an Ziellinien, die überquert wurden, reich an Erfahrungen, reich an Lachfalten und Tränen. Es war ein Jahr der Reise und des Nachhause kommens. Des woanders und hier seins. Des vor und zurück, hoch und runter, kreuz und quer. Die vergangenen Monate haben meinen Herzmuskel auf eine harte Probe gestellt, meine Nerven fast zum zerreißen gebracht, und dennoch fühle ich mich nicht schwer, ganz im Gegenteil. Ich fühle mich leicht. Wie kann ein Jahr so viele Gegensätze mit sich bringen und wie trennt man die guten von den schlechten Dingen?Weiterlesen


Es war ein Morgen wie jeder andere – und irgendwie doch nicht

Jeder verarbeitet Emotionen auf eine andere Art. Der eine fühlt sich dazu berufen, helle und freundliche Fotos zu gestalten, um seinem Leben wieder ein Licht zu schenken – und andere bilden die Trostlosigkeit ihres Inneren ganz unverfroren ab. Was man bei Dichtern behauptet, kann auch auf Fotografen zutreffen: So richtig intensiv und bewegend werden ihre Werke erst, wenn das Herz entweder überläuft oder es zerbricht.

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